Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen in Deutschland e.V.HOG Groß-Alisch e.V.                                                                                                                                                  

 

beim Trachtenumzug in Dinkelsbühl, Pfingsten 2010

 

 

Das 14. Heimattreffen der HOG Groß- Alisch in Nürnberg - Gartenstadt

 

Bei strahlendem Sonnenschein und leuchtend blauem Himmel, nahmen viele Groß- Alischer die Einladung zum 14. Heimattreffen der HOG Groß- Alisch dankend an und fanden sich gut gelaunt, am 25.April 2009, nun schon traditionsgemäß, in Nürnberg Gartenstadt ein.

Im Anblick der herzlichen Begrüßungen und innigen Umarmungen, vor dem Gesellschaftshaus und vor der Emmaus Kirche, floss manche Freudenträne. Anstrengungen und Strapazen welche viele auf sich genommen hatten waren vergessen und man war nur noch froh wieder da sein zu können. Ansteckende Freude und Dankbarkeit machte die Runde.

In dieser Hochstimmung betrat man, die nun schon fast heimisch gewordene Emmaus Kirche, festlich geschmückt von Irmtraud Teutsch, um miteinander nach alt bekanntem Ablauf  Gottesdienst wie in der Heimat, zu feiern.

Voller Vorfreude und ein wenig neugierig auf den, von vielen lang ersehnten Auftritt unseres langjährigen und letzten Pfarrers, vor der Wende, Prof. Dr. Berthold Köber, stimmte die Gemeinde, begleitet an der Orgel von Kurt Gehann, in das Loblied „ Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren „ , ein.

Die hochkarätige Predigt, war eine hochwertige Entschädigung für jeden Teilnehmer an diesem wunderbaren Gottesdienst. Ausgehend von der biblischen Aussage, „ Der Mensch lebt nicht vom Brot alleine ... „ beleuchtete Pfarrer Köber nacheinander brandaktuelle Fragen zu diesem Tag:  Warum feiern wir ? , Wozu HOG Treffen ? , Wozu Gottesdienst ? .

Ein bisschen Vergangenheit in der Gegenwart zu erleben, erinnern an die alte Heimat und frühere Zeiten erleben als wären sie jetzt, sind einige der Antworten, welche den Kern der Frage am ehesten treffen. Die alte Heimat ist anders geworden, aber sie ist und bleibt, Teil unseres Lebens, Teil unserer Identität.

Teile unserer Identität sind unsere vielfältigen Beziehungen zu den Menschen, zur Gesellschaft, zum Leben und zu Gott.

Wir haben innermenschliche Beziehungen als Ehemann, Vater, Groß- Alischer, Siebenbürger.

Als Teil der Gesellschaft, Landsmannschaft, HOG, Nachbarschaft oder Familie, haben wir soziale Beziehungen.

Was unsere Lebensansichten betrifft, leben wir in einem gesellschaftlichen Konsens, in selbstverständlicher Akzeptanz, die wir weitergeben wollen.

Bei unseren Treffen vergewissern wir uns unserer Identität und des Sinnes unseres Daseins.

Natürlich gehört der Gottesdienst dazu und ist sehr wichtig für unsere Beziehungen zueinander und zu Gott. Wir sind Gottes Kinder und unsere Beziehung zu ihm ist Teil unserer Identität. So können wir unseren Lebensweg im Lichte unseres Glaubens sehen.

„ Gedenke des ganzen Weges den dich der Herr geleitet „ spricht der Herr. Wir haben auf unserem Lebensweg viel Leid, Gefangenschaft und Knechtung , aber auch viel Gutes und Segen erfahren. Uns wurden neue Möglichkeiten eröffnet, wir haben eine neue Heimat gefunden. Was wir sind und haben, ist ein Geschenk von Gott, gibt Anlass zu Dankbarkeit und Dank, gibt Grund zur Freude.

Haben wirklich alle Grund zur Freude und Dankbarkeit ? Viele mussten durch Trennung, Verluste und Tod, schweres Leid erfahren und ertragen. Die Antwort lautet eindeutig JA, unser Gott war da, hat uns begleitet, sein Sohn hat freiwillig auch für uns gelitten, Schmach und Tod auf sich genommen und ist durch seine Auferstehung zu unserem guten Hirten geworden. Er hat uns, wie es Psalm 23 sinngemäß heißt, nicht alleine gelassen, hat uns auch durch die dunkelsten Täler begleitet und hat uns Kraft zum tragen und ertragen geschenkt. Bildlich ließ Pfr. Köber mit Hilfe eines schönen Gedichtes die Gemeinde, jeden einzelnen von uns, auf seinen zurückgelegten Lebensweg schauen, auf zwei nebeneinander laufende Spuren, die gerade für schwersten Zeiten, nur als Einzelspur wahrgenommen werden können und ließ uns wissen, dass Gott uns auf diesen Strecken keineswegs verlassen, allein gelassen, sondern getragen hat. 

Diese frohe Botschaft lässt uns hoffen und glauben, dass er uns „ den ganzen Weg begleitet „.

Auch in diesem Jahr war die goldene Konfirmation der Jahrgänge 1944 und 1945, organisiert von Gerda Roth, fester Bestand unseres Gottesdienstes. Von 27 Konfirmanden konnten leider nur acht teilnehmen und zur Einsegnung vor den Altar treten. Schade für die Fehlenden.

Beim Toten- Gedenken wurden wir wieder an unsere eigene Sterblichkeit und die Vergänglichkeit dieser Welt erinnert. 24 liebe Menschen sind in den letzten zwei Jahren von uns gegangen, durch Vorlesen ihrer Namen wurden Sie uns ein letztes Mal in Erinnerung gebracht, in stiller Andacht lauschten wir dann den friedlichen Klängen des Posaunenchores.

Beim anschließenden Abendmahl ergänzten sich Pfarrer Köber und Pfarrer Lothar Schullerus jun. beim Austeilen der Hostien und des Weines, zu aller Freude in Einklang und Harmonie.

Mit dem Ausgangslied „ Nun danket alle Gott, mit Herzen, Mund und Händen „ fand der Gottesdienst, an den man sich gerne zurück erinnern wird und von dessen reichem Inhalt wir nun die nächsten zwei Jahre zehren können und dürfen, einen würdigen Abschluss.

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 Beim Einzug in das Gesellschaftshaus, wurden wir von den Empfangsdamen, herzlichst begrüßt und unsere Brust, mit dem Groß- Alischer Wappen geschmückt. Saal und Bühne, von Edeltraud Zakel, Irmtraud Teutsch, Irene Fakesch, Alida Binder und Meta Schuster, liebevoll dekoriert, wirkten heimisch, einladend. Die Kanada Fahne, als Zeichen der Freundschaft und Verbundenheit mit unseren Landsleuten aus Übersee, vervollständigte das gewohnte Bild.

Nach Stärkung mit Speise und Trank, nach lockerem Austausch und Plausch, wobei es laut, lustig und oft auch ernst zuging, mit einem Kommen und Gehen, wie in einem Taubenschlag, kam der, bei vorherigen Treffen von zu vielen, als lästig empfundene und mehr oder weniger ignorierte, Offizielle Teil unseres Treffens.

Alfred Drotleff,  2. Vorsitzender der HOG Groß- Alisch, richtete einen Willkommensgruß an alle Teilnehmer, dankte den Vorbereitern und Mitwirkenden, in der Kirche und im Gottesdienst, sowie am Empfang, Saal- und Bühnendekoration, am Info und Bücherstand, für ihre Mühe und Arbeit. Mit Hinweisen auf den Ablauf und Programm gab er das Wort an Wilhelm Paul, 1. Vorsitzender der HOG Groß- Alisch.

Nach herzlichem Willkommensgruß zum 14. Groß- Alischer Treffen, gestand er ehrlich, wie schon in den vergangen Jahren hin und hergerissen zu sein, in welcher Sprache, hochdeutsch oder sächsisch, er seine Ansprache halten sollte, sprach dann, für alle verständlich, alternativ sächsisch und deutsch.

Vornweg ließ er eine sehr ernst gemeinte Bitte los:  Zieht doch bitte, bei Gelegenheiten wie heute, die wunderschöne siebenbürgische Tracht an. Es wäre tatsächlich ein großer Gewinn und ein noch schönerer Anblick, wenn nicht immer nur die am Programm Mitwirkenden, sondern die große Mehrheit, in Tracht erscheint.

In seinen Danksagungen, an die Pfarrerseheleute Köber und Schullerus, für die Gestaltung des Gottesdienstes und für ihre Liebe zu den Groß- Alischern, an den Organisten Kurt Gehann, an den Posaunenchor mit Georg Zakel und Fredi Drotleff, an die Organisatoren des Treffens : Albert Schuster, Irmtraud Teutsch, die Damen am Empfang und an den Wirt Werner Franz, der uns zum letzten Mal bewirtet, wurde keiner vergessen.

Der Blumenstrauß, der jedes Jahr für außergewöhnliche Leistungen übergeben wird, ging diesmal an Elisabeth Maurer, für den schönen Wandbehang „ Siebenbürgen süße Heimat „, welchen sie mit viel Liebe und künstlerischer Begabung selbst genäht und der HOG gespendet hat, ein wahres Schmuckstück für unsere Bühnendekoration. Erwähnenswert auch die schöne Tischdecke, eine Gabe von Sofia Schuster, die uns immer an sie erinnern wird..

Die Bilanz der letzten zwei Jahre begann mit einer ernüchternden Feststellung, „Wir sind alle älter geworden, ja wir werden von Treffen zu Treffen sichtbar älter“; erfreulicherweise haben wir für genügend Nachwuchs gesorgt und können froh sein, dass die kommende Generation auch in diesem Jahr so zahlreich und stark, vertreten war.

Die Geschlossenheit unserer HOG zeigt sich vor allem in Trauerfällen und freudigen Anlässen, wie  Hochzeiten, Nachwuchs und Taufen, aber auch bei unseren Treffen und auf gemeinsamen Reisen. Wir wollen hoffen, dass es weiterhin so bleibt und unsere Beziehungen nicht abreißen. Dafür sollten wir unsere Groß- Alischer Nachrichten, die nach sieben Ausgaben, im Bewusstsein vieler Menschen, als kostbare Nachrichten angekommen sind, noch mehr nutzen.

Als Bindeglied zwischen gestern und heute, zwischen alter und neuer Heimat, soll dieses wunderbare Heft auch als Instrument zur Vertiefung unserer Beziehungen dienen. Durch Beiträge , Fotos, Kurzberichte, von allen möglichen Ereignissen, lassen wir, wie in alten Zeiten, alle Groß- Alischer, Freud und Leid, mit uns zu teilen.

Das beste Beispiel dass es sich lohnt Beziehungen zu pflegen und zu intensivieren, ist die sehr erfolgreiche Kanada und USA Reise, wo man außer den vielen, von atemberaubender Schönheit geprägten Sehenswürdigkeiten, auch Menschen aus Siebenbürgen, die seit dem Krieg oder länger, auf dem amerikanischen Kontinent, eine neue Heimat gefunden haben, trotzdem Heimatverbunden, Bräuche und Traditionen erfolgreich pflegen, kennen lernen durfte. Die Höhepunkte dieser großartigen Reise, präsentierte Albert Schuster, parallel zur Ansprache auf der Leinwand.

 Um einen reibungslosen Versand der Groß- Alischer Nachrichten zu gewährleisten, wurden alle Teilnehmer gebeten, ihre Daten, am Infostand, mit Anna Binder und Inge Paul, zu aktualisieren. Als Mitglied des Arbeitskreises für Siebenbürgische Landeskunde e.V. Heidelberg, Sektion Genealogie, hob Willi Paul, die Wichtigkeit der Familienforschung und die damit verbundene Notwendigkeit der sorgfältigen Ausfüllung und schnellstmögliche Rücksendung, der verteilten Formulare hervor.

Mit sichtlicher Freude brachte er dann die frohe Botschaft, dass Groß- Alisch, endlich wieder einen Pfarrer, besser gesagt, seine erste Pfarrerin, Agnes Köber, die am 9. Mai 2009 öffentlich eingeführt wird, hat und wünschte eine fruchtbringende Zusammenarbeit.

Die Ansprache endete mit einem herzlichen Dank an die Mitglieder des Vorstandes für die gute Zusammenarbeit, und das zielstrebige Bemühen, unsere HOG am Leben zu erhalten.

Seit 8 Jahren wirkt und handelt dieser Vorstand in Einklang und Harmonie, wie man es nur selten antrifft und gilt deshalb als Vorbild für viele HOG`s . Vieles wurde in dieser Zeit auf den Weg gebracht, viele freie Stunden sind für eine gut funktionierenden Gemeinschaft, geopfert worden. Tröstlich und zuversichtlich kam die Feststellung „ Ich glaube unser Vorhaben ist uns gelungen“. Man darf ergänzen: die Mühe hat sich gelohnt. 

Rudolf Menning präsentierte einen außerordentlich positiven Kassenbericht. Die Zahlen konnten die vorbildliche Arbeit der HOG, präzise verdeutlichen.

Diesmal gebührt ein ehrliches Lob und Dank allen Teilnehmern, für ihr ruhiges, diszipliniertes Verhalten. Ungestört und ohne die Lautstärke erhöhen zu müssen, konnten alle Redner ihre Begrüßungen, Ansprachen, Berichte und Anliegen vortragen. Das zeigt reges Interesse und Anteilnahme am Leben unserer HOG, würdigt und entschädigt Organisatoren, Helfer und Helfershelfer, für ihren, nicht selbstverständlichen Einsatz. Ein begrüßenswertes Verhalten, dass wünschenswerter  Weise, in Zukunft Schule machen sollte.

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Der kulturelle Teil war ein stolzes, ausbaufähiges Kurzprogramm, dass gut ankam.

Unsere Jugendreferentin Silke Müller, führte mit ihrer kleinen aber feinen Tanzgruppe, in sächsischer Tracht, mehrere Volkstänze auf. Die Begeisterung und der Beifall waren groß, es gab Zugaben, bis den Tänzern die Puste ausging. Eine Steigerung, was die Beteiligung betrifft, ist in Zukunft mehr als wünschenswert.

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Die Gesangsliebhaber fanden sich in einem großen Kreis und begeisterten mit vielen bekannten Volksliedern, in sächsischer und deutscher Mundart, begleitet am Akkordeon von Hans Jakobi. Da wurde manch schöne Erinnerung wach, stahl sich die eine oder andere Freudenträne, aus glückstrahlendem Auge.

Herr Lukas Geddert , großzügiger Freund und ausgezeichneter Haus- Fotograf der Groß- Alischer, sorgte nicht nur für hervorragende Bilder, die demnächst wieder auf unserer Homepage zu bewundern sein werden, sondern organisierte auch die Tombola. Er spendete  viele, teilweise sehr wertvolle Gegenstände, aus dem eigenen Geschäft und auch den Erlös aus der Tombola, der HOG. Das verdient höchsten Respekt und Hochachtung.

Im Unterhaltungsteil unseres Treffens kamen alle, Jung und Alt auf ihre Kosten.

Das sehnsüchtig erwartetet Party-Trio mit Georg Zakel, Alfred Drotleff und Fritz Zakel wurde mit tosendem Applaus empfangen, spielte nun zum Tanz auf und sorgten für gute Stimmung und noch bessere Laune. Die gute Musik verzauberte und beflügelte jeden einzelnen. Glücklich lachende Tanzpaare , wie entfesselt tanzende Jugend, still lauschende ältere Menschen, verträumte Gesichter, und ausgelassene Freude, prägten das sich dem Betrachter bietende Bild. Stimmungsmäßig wurden die fast 100, zahlenmäßig fehlenden Teilnehmer, im Vergleich zum letzten Treffen, durch den hohen Anteil an jungen Leuten und Jugendlichen, mehr als wett gemacht.

Die Unterhaltung dauerte bis spät in die Nacht. Nur schweren Herzens konnte man sich trennen, verabschieden und den Heimweg antreten.

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Erfreulicherweise waren alle Verabschiedungen von einer Wiedersehenshoffnung geprägt.

Voller Zuversicht und Hoffnung blickt man in die Zukunft und auf spätere Treffen.

So Gott, der uns durch alle Höhen und Tiefen geleitet, begleitet und getragen hat will, dass wir am Leben und gesund bleiben, gibt es für alle, ob älter oder jünger, ein Wiedersehen.

Aus unserer Erfahrung, aber auch aus der Predigt wissen wir, dass wir auch in den dunkelsten und trübsten Tagen, nie allein waren. Gott war uns immer nahe, hat uns nie verlassen und seine Zusage gilt auch für den Rest unseres Weges.

Sich bei unseren Treffen, seiner Identität und der Festigkeit bestehender Beziehungen zu vergewissern, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Wagen wir doch mutig auch weitere Schritte und nehmen gemeinsam an den Bemühungen, diese HOG am Leben zu erhalten, teil,

lasset uns doch wie in alten Zeiten, Freude und Leid miteinander teilen.

Die Hoffnung stirbt zuletzt ! So lange wir leben, dürfen wir hoffen ! Das ist doch wunderbar !

Unser Gott war, ist und bleibt uns gnädig. „ Mancher, der sich vor dem Gericht Gottes zu sehr gefürchtet hat, wird sich in der Ewigkeit ein klein wenig schämen müssen, dass er dem Herrn nicht noch mehr Gnade zugetraut hat „ Mit diesen Worten von Johann Albrecht Bengel, möchte ich schon in die Zukunft blicken, auf unser 15. Treffen, es wird wieder wunderbar sein. Die Zeit wird schnell, viel zu schnell vergehen, Gesundheit, Freude, Glück und Gottvertrauen, möge uns bis dahin begleiten.

Hoffen und freuen wir uns auf unser Wiedersehen 2011.

Helmut Homm

 

 

 

Groß-Alisch im Oktober 2008

Fotos mit Herbstimpressionen einer Reise nach Groß-Alisch von Cornel Ghiurca.

 

 

„Ich fühle mich als Siebenbürger!“,

bekannte am 4. Juli 2008 so mancher in Kanada ansäßige Siebenbürger Sachse beim Kulturtreffen im Transilvania-Klub in Kitchener.

Auf besonderen Wunsch und auf  Einladung von Frau Käthe Paulini, der ehemaligen Bundesvorsitzenden der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen in  Kanada, besuchten  die Reisenden der Heimatortsgemeinschaft Groß-Alisch – darunter auch eine Tanz- und Musikgruppe - auf ihrer Fahrt durch Kanada und die USA die Stadt Kitchener. Das Ziel ihrer Reise, mit den seit Jahrzehnten in Nordamerika beheimateten Siebenbürger Sachsen engere Kontakte zu knüpfen, erfüllte sich bei dieser Begegnung in wunderbarer Weise sowohl im Austausch von Gedanken zur Findung einer neuen Identität in einer neuen Heimat - ohne in Widerstreit mit der jedem innewohnenden Bindung an die alte Heimat zu geraten - als auch in den traditionellen Darbietungen von Musik und Tanz, welche die unverwechselbare Tradition unserer siebenbürgischen Volkskunst ausmachen. 

Der Empfang am 3. Juli in Kitchener, der ersten Station der Reise, war sehr herzlich und die Begrüßungsrede von Frau Paulini bei dem Abendessen im Transylvania-Klub war einfühlsam und herzerwärmend, so daß die anfänglichen Hemmungen bald wichen und sehr lebhaft in Deutsch, Sächsisch und Englisch geplaudert wurde. Bereits an diesem ersten Abend erfuhren wir, daß große Erwartungen an uns gestellt wurden. Die Plakate, die überall aushingen, verkündeten einen kulturellen Gesellschaftsabend mit Gästen aus Groß-Alisch /Siebenbürgen, der lokale Radiosender in deutscher Sprache für Ontario hatte ebenso unsere Ankunft bekannt gegeben und das siebenbürgische Informationsblatt der lokalen Presse so wie auch die Kirchenblätter der evangelischen Kirchen hatten einen außergewöhnlichen Abend mit Landsleuten aus Deutschland im Transylvania-Klub angekündigt.

Doch dieser 4. Juli bot uns zuerst noch zwei wahrhaft interessante und schöne Erlebnisse.

Auf einer Rundfahrt durch das Siedlungsgebiet der Mennoniten, einer Glaubensgemeinschaft aus Deutschland, die hier seit über 100 Jahren im Raum St. Jacobs - Elmira - West Montrose siedeln, hatten wir Gelegenheit, den Ausführungen eines Mennoniten-Farmers zu folgen. Auf diesen Farmen wurden die Siebenbürger Sachsen in den ersten Jahren ihrer Einwanderung in Kanada gerne aufgenommen, so daß zu manchen Familien auch heute noch der Kontakt besteht.

Der nachmittägliche Empfang im Garten der Familie Paulini zu Kaffee und siebenbürgischem Kuchen sollte zum zweiten unvergeßlichen Erlebnis dieses Tages werden. Wir lernten die Familie kennen, erfuhren viel über das Leben unserer Siebenbürger Sachsen in Kanada und sangen in dieser familiären Atmosphäre zusammen bekannte Lieder aus der alten Heimat.

Den Höhepunkt des Tages bildete aber der festliche Gesellschaftsabend im Transylvania-Klub. Hier gab es die ersten Wiedersehensfreuden mit Groß-Alischern, die als Jugendliche ausgewandert oder durch die Kriegsfolgen nach Kanada verschlagen worden waren und nun zu diesem Treffen aus der ganzen Provinz Ontario, aus Windsor, Aylmer, Waterloo, Clear Creek angereist waren, um ihre Landsleute zu treffen. In den „Groß-Alischer Nachrichten“ die wir all unseren Groß-Alischern auch ins Ausland zuschicken - sofern wir ihre Anschrift kennen - und die auch im Transylvania-Klub ausgelegt werden, hatte man voneinander gelesen und war gespannt auf die Begegnung. „Ich fühle mich als Siebenbürger!“, hörten wir immer wieder, wenn auch in wackeligem Deutsch oder in einen englischen Satz eingebaut. Die meisten aber sprechen noch unser „Sächsisch“ oder verstehen es mindestens.

Die annähernd 370 Menschen, die an diesem Abend in den Festsaal des Transylvania-Klubs gekommen waren, wollten sich mit uns austauschen, uns aber auch ein schönes kulturelles Programm bieten.

Der Klubpräsident Alfred Löwrick eröffnete den Gesellschaftsabend indem er alle Gäste und ganz besonders die Groß-Alischer aus Deutschland begrüßte. Diesen dankte er ganz herzlich dafür, daß sie den kulturellen Austausch angeregt hatten, um damit die Verbindung der Siebenbürger Sachsen weltweit zu festigen.  
Die Hauptrednerin und Organisatorin dieses Abends, Frau Käthe Paulini, die das Amt des Bundesvorsitzenden der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen in Kanada 10 Jahre lang inne gehabt hat, überbrachte Grüße von John Werner, des amtierenden Bundesvorsitzender der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen in Kanada, der sehr bedauerte, an diesem Abend nicht teilnehmen zu können.

In einer sehr bewegenden Rede betonte sie die Bedeutung solcher Treffen in dem Leben der Siebenbürger Sachsen in Kanada. Es sei immer ein Auftanken von Wissen, Gefühlen und Erfahrungen. Kurz umriß sie die Aufgaben der Pflege des siebenbürgischen Kulturgutes in Kanada: Von Beginn an hätten sich die Einwanderer auf wenige Orte beschränkt, wo sie schnell Kontakt zueinander gefunden,  Klubs und Vereine gegründet und ein lebhaftes Gemeinschaftsleben ins Leben gerufen hätten, um ihre mitgebrachten Werte, ihre siebenbürgisch-sächsische Kultur zu pflegen und um diese an ihre Kinder weiterzugeben. Aus diesem Geist sei auch dieses Haus, der Transylvania-Klub, das kulturelle Zentrum der Siebenbürger Sachsen aus Kanada  als eine Zelle siebenbürgisch-sächsischen Lebens entstanden.

Heute ist Kanada die Heimat dieser Siebenbürger Sachsen. Sie sind integriert. Sie sind hier in Kitchener, das bis 1916 Berlin hieß und dessen Bevölkerung zu 80% deutscher Herkunft ist, als tüchtige, fleißige und pflichtbewußte Menschen bekannt. Sie sind patriotische Kanadier ohne ihr ethnisches Erbe aufzugeben oder gar zu verleugnen. Ja, sagte Frau Paulini, man könne auch nach so vielen Jahren der Auswanderung aus Siebenbürgen Siebenbürger Sachse in Kanada sein! Sie seien Mitglieder der weltweiten Föderation der Siebenbürger Sachsen und seien bestrebt, mit den Landsleuten in Deutschland, in Österreich, in den USA und in Siebenbürgen in Verbindung zu bleiben. Dazu dienten der Kulturaustausch und die Jugendlager und nicht zuletzt auch dieser Gesellschaftsabend, für dessen Zustandekommen sie sich herzlich bei der Gruppe der HOG Groß-Alisch und auch bei mir, als ihrem Vorsitzenden bedankte. Als Abonnentin der „Groß-Alischer Nachrichten“ verfolge sie mit großem Interesse die umfangreichen Aktivitäten der HOG Groß-Alisch, insbesondere deren Fürsorge für ihr Heimatdorf in Siebenbürgen.

Bewegt von dem herzlichen Empfang und den vielen Gästen die dem Aufruf gefolgt waren, sich mit der Groß-Alischer Gruppe zu treffen, bedankte ich mich als Vorsitzender der HOG Groß-Alisch, bei dem Klubpräsidenten, und vor allem bei Frau Käthe Paulini, die mit viel Engagement und Energie den Aufenthalt der Groß-Alischer in Kitchener und ganz besonders den Gesellschaftsabend zu einem unvergeßlichen Erlebnis gemacht hatte. Besonders wichtig erschien mir, darauf hinzuweisen, wie wichtig es sei, sein Heimatdorf nicht ad acta zu legen, wie unerlässlich es für die Erhaltung der Kulturleistung unserer Vorfahren sei, die kirchlichen Einrichtungen und den Friedhof zu erhalten und zu pflegen. Mein Wunsch, die geknüpfte Beziehung zum Transylvania-Klub weiter auszubauen und zu pflegen, wurde vor allem von der Jugendtanzgruppe begrüßt. Da es vereinzelt in der Provinz Ontario  deutsche Sonntagsschulen gibt und die Kinder und Jugendlichen fast nur englisch sprechen, wäre auch ein Schüleraustausch in siebenbürgischen Familien sehr sinnvoll.

Den künstlerischen Rahmen bildete natürlich die Musik und der Tanz:

Die Blaskapelle des Transylvania-Klubs unter der Leitung von Jeremy Frim spielte zur Begrüßung eine flotte Polka. Mit weiteren musikalischen Darbietungen begleiteten sie das ganze Abendprogramm. Gekonnt und mit viel Elan sang der weit über Ontario hinaus bekannte Transylvaniachor, der seit 57 Jahren besteht, unter der Leitung seines Dirigenten Ian Clark mit der Klavierbegleitung durch Elison Clark alte deutsche und siebenbürgische Lieder. Die beiden Schwestern Kolina und Kelsey sangen für die Gäste ein deutsches Kinderlied. Die Kindertanzgruppe des Transylvania-Klubs unter der Leitung von Hannelore Maithert zeigten in den vorgeführten Tänzen nicht nur ihr Können sondern auch ihre sehr schönen siebenbürgischen Trachten, die im Handarbeitskreis des Transylvania-Klubs genäht worden waren. Und die Jugendtanzgruppe des Transylvania-Klubs führten unter der Leitung von Daniel Schmidt in altdeutscher Tracht mit großer Professionalität Volkstänze vor.

Gespannt hatten die Gäste auf den Auftritt der Groß-Alischer Tanzgruppe gewartet. Mit der „Recklich Med“ erntete diese dann einen Riesenapplaus, auch wenn sie sich nicht mit der Jugendtanzgruppe messen konnte. Die Tanzpaare durften den anschließenden Tanzabend, mit einem Wiener Walzer eröffnen. Dazu lud die Groß-Alischer Musikband „Party Trio“ ein. Ihr Programm begeisterte Jung und Alt, so daß auf der großen Tanzfläche eine gute Stimmung aufkam.   

Wehmut schlich sich in den Abschied, doch auch etwas Hoffnung, daß dieses Treffen und dieser unvergeßliche Abend, nur ein Anfang gewesen sind für eine lange Beziehung über den Ozean hinweg, eine Verbindung die durch eine alte, aber lebendig gebliebene Heimat zustande gekommen ist und wohl auch weitergeführt werden wird.

Unser herzlicher Dank gilt den kanadischen Gastgebern!

Fotos

Wilhelm Paul , Juli 2008

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